Der nachfolgende Beitrag ist eine Kurzzusammenfassung der ersten Ergebnisse aus unserer Pilotstudie:

“Die Zukunft im Visier”
Die mediale Selbstinszenierung der Bundeswehr gegenüber Jugendlichen auf www.treff.Bundeswehr.de – Eine Pilotstudie

Einleitung und Fragestellung

Im Herbst 2012 provozierte eine neue Werbekampagne der Bundeswehr ein wohl unverhofftes Feedback in den Medien. Gegenstand der überwiegend kritischen Berichterstattung waren vor allem ein Video und verschiedene Anzeigen, in denen die Bundeswehr ihre „Adventure camps“ bei Jugendlichen bewarb. Die Werbung, die unter anderem im Jugendmagazin Bravo geschaltet worden war, kündigte unter dem Titel Berg- oder Beach-Typ? ein Abenteuer-Ferienlager an, auf dem Bundeswehr-Interessierte ihre Kräfte auf die Probe hätten stellen sollen. Die überwiegend kritischen Reaktionen von Medien und Sachverständigen lehnten diese Art von Werbung als ›Verführung‹ und ›Irreführung‹ von jungen Menschen ab, da sie – so die zentrale Kritik – die Bundeswehr allein mit ›Spaß‹ und ›Abenteuer‹ assoziiere und die Aspekte des ›Tötens‹ und ›Sterbens‹ ausklammere (vgl. etwa die Artikel in der taz vom 18.09.2012, auf Spiegel Online vom 18.09.2012 und in der ZEIT vom 06.10.2012. Doch so rasch und zuweilen nicht immer ganz sachlich die Berichterstattung erfolgte, so schnell zog sie im üblichen Eilschritt auch wieder weiter zu den nächsten Tagesereignissen.

Das Problem hat sich durch die Kritik, die Medien und Sachverständige an der Bundeswehr-Werbung übten, nicht erübrigt, im Gegenteil. Unserer Meinung nach fehlt es an einer grundsätzlichen Auseinandersetzung darüber, wie sich die Bundeswehr nach außen, insbesondere aber gegenüber heranwachsenden Menschen medial präsentiert. Wie wichtig eine solche Auseinandersetzung wäre, zeigen die Ergebnisse aus unserer kleinen Pilotstudie, die wir im Folgenden vorstellen möchten.

Im Zentrum unserer Untersuchung steht die Internetseite www.treff.bundeswehr.de, die auf Ihrer Startseite mit informeller Anrede ihre berichtende Funktion gegenüber der Zielgruppe ›Jugendliche‹ expliziert:

 Die Jugendseite der Bundeswehr bietet dir alles Wissenswerte über die Bundeswehr und ihre Aufgaben.

Du findest hier zahlreiche Informationen rund um den Dienst deutscher Soldaten und Soldatinnen im In- und Ausland.

Außerdem kannst du dich mit Gleichgesinnten online in der Community austauschen und diskutieren.

 Wir haben den Großteil dieser Jugendseiten mit Stand vom 04.12.2012 vollständig archiviert und im Hinblick auf folgende leitende Fragestellungen ausgewertet:

  • Welches Image oder Selbstbild der Bundeswehr vermitteln die untersuchten Seiten?
  • ­Welche Akteure, Sachverhalte bzw. Referenzobjekte, Orte, Ereignisse usw. werden aufgerufen?
  • ­Mit welchen rekurrenten[1] sprachlichen und bildhaften Mustern werden diese konstituiert bzw. perspektiviert?
  • ­Welche konzeptuellen Prädikations- oder Zuschreibungsketten (kognitive Konzepte / Stereotype) werden dabei potentiell aktiviert?

Diesen Fragen sind wie methodisch wie folgt nachgegangen: Die Website treff.bundeswehr.de wurde am 04.12.2012 mit 319 Einzelseiten[2] (206.495 Wortformen) nahezu vollständig lokal archiviert, in ein auch quantitativ analysierbares Textformat übersetzt und mit Hilfe des TreeTaggers (Schmid 1994) POS-annotiert (Anreicherung der Texte mit Metainformationen zur Wortart und Lemma eines jeden Wortes). Mittels der von Friedemann Vogel entwickelten Image-Analysesoftware „LDA-Toolkit“ (Vogel 2012a) wurden verschiedene Wort- und Keyword-Listen erstellt und statistisch auf rekurrente Sprachmuster auf der Ebene der Lexik (Wortschatz) und der Syntagmen hin ausgewertet. Die originalen HTML-Seiten wurden ebenfalls aufbereitet und im Hinblick auf Sprachhandlungen, Textsorten, Bild-Muster und Bild-Sorten (Ereignis- vs. Genrebilder, Motive, Farben, Bildhandlungen usw.) sowie Bild-Text-Interaktion qualitativ im Paradigma Foucaultscher Diskurslinguistik untersucht. Aus diesen verschiedenen Zugängen und den dabei ermittelten Sprach- und Bildgebrauchsmustern leiten wir die nachfolgend zugespitzt formulierten Hypothesen zur Selbstinszenierung der Bundeswehr gegenüber Heranwachsenden ab und stellen diese zur Diskussion.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, verschiedene Aspekte sollen in kontrastiven Folgestudien auch unter Berücksichtigung weiterer Text- und Bildangebote genauer betrachtet werden. Trotzdem zeichnet sich aus den bisherigen Ergebnissen bereits ein selbstinszeniertes Image der Bundeswehr ab, das heißt rekurrente Sprach- und Bildmuster zur Aktivierung bestimmter kognitiver Prädikations- bzw. Zuschreibungsmuster (Attribute, was die Bundeswehr sei), die sich speziell an jugendliche RezipientInnen richten.

Im Hinblick auf unsere leitenden Fragestellungen können wir die aktuellen Ergebnisse wie folgt zusammenfassen:

(1) Das Medienimage der Bundeswehr auf den untersuchten Seiten weist auf verschiedenen Ebenen sprachlicher, bildlicher und multimodaler Zeichen wiederkehrend auf sieben miteinander verflochtene Attributionsfelder hin, das heißt: diese Attributionsfelder markieren das, ‚was die Bundeswehr gegenüber Jugendlichen sein möchte‘. Die folgenden analytisch gewählten Ausdrücke oder Schlüsselwörter versuchen die Perspektiven dieser Attributfelder zu paraphrasieren und zu konturieren:

  1. Gemeinschaft: Teamgeist / Kameradschaft / Unter Gleichgesinnten / Teil eines Großen sein / Tradition / Pathos / auch Geborgenheit‹;
  2. Gute Aussichten: Individuelle Perspektive / Karriereaussichten / Finanzielle Sicherheit‹;
  3. Leistungsprinzip: Sportlichkeit / Coolness / Wettkampf / persönliche Herausforderung / Grenzen austesten‹;
  4. Alltägliches Abenteuer: Aus dem Alltag ausbrechen / Abwechslung / Spaß / Freude (lächeln) / Weltenbummler / Traum / Action‹;
  5. Spezialausrüstung: Technik / Waffen / Maschinenbeherrschung / digitale Modernität‹;
  6. Besondere Lernhorizonte: Ausbildung / Spezialistentum / Präzision‹;
  7. [›Hypothetische Gefahren‹].

Diese Attributfelder lassen sich analytisch auch zu einem prägnanten Image, wie es auf den untersuchten Seiten konstituiert wird, paraphrasieren:

 ›Die ‚Bundeswehr‘ ist ein Ort, an dem sich junge, dynamische, ehrgeizige (deutsche oder mitteleuropäische) Männer und auch Frauen treffen, um in der Gemeinschaft Freude und sportlich-herausfordernde Abenteuer zu erleben, ihre Kinderträume zu realisieren, außergewöhnliche Dinge mit außeralltäglichen Maschinen und Waffen zu erlernen, fremde Kulturen und Länder zu bereisen, dabei perspektivisch finanziell abgesichert und Teil eines (nicht näher spezifizierten, aber) emotional besetzten Großen Ganzen zu sein.‹

 (2) Die Website bedient sich verschiedener diskursiver Strategien, um zu den – als jugendliche Sprecher antizipierten – Adressaten eine interaktive und auch emotionale Beziehung aufzubauen. Dies zeigt sich bereits an dem nähesprachlichen (informelle Anrede), jugend- und mediensprachlichen Wortschatz aus mitunter vielen Anglizismen. Die Bundeswehr erhält damit einen ›attraktiven, modernen (iPad)‹ Anstrich. Ferner werden spezifisch militärische Attribute wiederholt an Alltagssemantiken, also Wissen um ‚nicht-militärische Normalität‘, gekoppelt oder in sie eingebettet. So wird über ein geschicktes Text-Bild-Arrangement ein Panzerfahrzeug zum Taxi oder die eigenen Termine lassen sich im dazu kostenlos angebotenen Kalender treffsicher wie die Artillerie […] planen[3]. Schließlich spielen die Attributfelder wiederholt mit (aus Sicht der Bundeswehr) ‚falschen Vorurteilen‘ und objektivieren die eigenen Darstellungen über die durchaus irreleitenden Textsortenbezeichnungen Bericht oder Reportage als ‚nur informativ‘, ‚authentisch‘ und ‚nahbar‘ – anstelle dessen, was zumindest über Titel und Erzählperspektive meist realisiert wird: nämlich werbende Sprach- und Bildhandlungen (›Du kannst jederzeit dabei sein‹: „Am liebsten gleich hier bleiben und Soldat sein!“[Titel]).

Soldatin oder Soldat beim Heer – alles über deine Chancen und Perspektiven. Ein Beruf, der Spaß macht! Infos und Facts rund um die Offizierslaufbahn beim Heer findest du in unserer Infozeitschrift “Die Zukunft im Visier” (Quelle, 20.01.2013)

(3) Potentielle negative Attribute der Bundeswehr (etwa Krieg, Tod, Zerstörung o.ä.) spielen – soweit wir sehen – keine Rolle. ›Bedrohung, Schmerz, Ängste‹ sind nur hypothetische oder historische Aspekte. Sie werden in der Regel verdrängt von dem positiv konnotierten Attributfeld rund um ›sportlichen Wettkampf‹ (c) und ›Alltägliches Abenteuer‹ (d). Bei alldem gewinnt man auf treff.bundeswehr.de leicht den Eindruck, die Bundeswehr ‚beschäftige sich fortwährend mit sich selbst‘: das soldatische Leben sei vor allem geprägt von ‚sportlichen Leibesübungen und Körperbeherrschung‘, ‚gemeinschaftlichem Lernen und Leben‘, dem ‚Bedienen und Reparieren von nicht-alltäglichen Maschinen (u.a. auch mit Waffen schießen und Panzer fahren: „Technik vom Feinsten und Hubschrauber fliegen. Herz, was willst du mehr?“)‘ und – zugespitzt formuliert – der ‚Realisierung der individuellen militärischen Laufbahn / Traum-Karriere‘.

 (4) An Bildmustern sind die bereits in der Sprache gefundenen Merkmale der Vermittlung eines identitätsstiftenden In-Group-Gedanken, der Hervorhebung des Besonderen oder Außergewöhnlichen im Bundeswehralltag und des Auslassens von Gefahr und Krieg, transkriptiv wiedererkennbar. Diese primär in Gruppen- und Personenbildern vorkommenden Muster manifestieren sich unserer Auffassung nach in einer Einheitsästhetik (zum Beispiel in Farbe und Uniform), dem betonten gemeinsamen Gestalten von Arbeit und Freizeit und dem Nicht-Zeigen gefahrevozierender Situations- oder Handlungsmerkmale. Im Gegenteil lässt sich mit Berücksichtigung der anderen beiden Bildtypen (Fahrzeug- und Waffenbilder; Landschafts-, Natur- und Gegenstands-Bilder) eher eine Ästhetisierung und Heroisierung der Waffen und Fahrzeuge anhand einer überwiegend untersichtigen Inszenierung jenseits kriegerischer Handlung feststellen. Dieses Vorgehen erzeugt und verstärkt mutmaßlich den Wunsch, derartig mit ‚Macht’, ‚Kraft’, Stärke’ assoziierte Instrumente selbst kontrollieren zu können und zu dürfen, ohne sich dabei in Gefahr begeben zu müssen (Lehr-Lern-Kontexte, paradigmatisch: Übung). Die Website gibt bildhaft zumindest Anlass zur Hoffnung, diesen Wunsch im Lebens- und Arbeitskontext der Bundeswehr zu erfüllen und dabei zugleich in den Genuss außergewöhnlich stimmungsvoller, harmonischer Natur- und Lebenswelten zu kommen.

(5) Frauen spielen in den Prädikationsketten eine weitestgehend gleichberechtigte Rolle, die Nachricht lautet: ›Die Bundeswehr ist auch offen für Soldatinnen‹. Nur vereinzelt wird mit Gender-Stereotypen gespielt, um darüber hinausgehende Assoziationen zu evozieren (z.B. junge Frau – Mulis/Haflinger [Pferde] – ein Traum/Kindheitstraum geht in Erfüllung[4]).  Anders sieht es mit MigrantInnen aus: Wenngleich das Bundesverteidigungsministerium Anfang 2012 eine „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet hat, mit der „die Bundeswehr künftig mehr Augenmerk auf Viefalt und Toleranz in den eigenen Reihen legen [will]“[5], hat sich diese Absichtserklärung zum Ende des Jahres 2012 – soweit wir bisher sehen – auf der Jugendseite der Bundeswehr noch nicht durchgesetzt. Die Nachricht lautet hier (zumindest den Fotos nach): ›Die Bundeswehr besteht aus mitteleuropäisch aussehenden, hellhäutigen Rekruten‹.

Stellungnahme zur Selbstinszenierung der Bundeswehr gegenüber heranwachsenden Bürgerinnen und Bürgern

Wir haben versucht, in der Skizzierung der vorangegangenen Studienergebnisse die Daten nicht zu bewerten, sondern Sprach- und Bildmuster interpretativ und wertneutral zu ordnen. Wir sind dabei Medienlinguisten bzw. Medienanalytiker: eine (verfassungs-)rechtliche Beurteilung dessen, was auf treff.bundeswehr.de als Bundeswehr-Image gegenüber Jugendlichen präsentiert wird, überlassen wir unseren juristischen KollegInnen. Nichtsdestotrotz sind wir Bürger dieses Staates und damit genauso wie andere MitbürgerInnen dazu angehalten, Stellung zu beziehen – gerade bei der Beobachtung einer besonderen staatlichen Institution, wie sie die Bundeswehr darstellt.

Unsere Position sei in zwei pointierten Kommentaren formuliert:

(1) Die Internet-Präsenz antizipiert die Stereotype, Emotionen und die Bedürfnisse (Träume) von heutigen jungen Menschen und kanalisiert sie in einem idealisierten, losungsartig ausgegebenem Image mit der Message: ‚Komm‘ zur Bundeswehr!‘ Zu den umspielten Bedürfnissen zählt insbesondere das Bedürfnis nach ‚solidarischem Füreinander-Dasein’, dem ‚abenteuerlichen, auch spielerischen Ausbrechen aus (schulischem) Alltag und implizit sozial beschränkten Berufs- und Lebensperspektiven (eine Chance haben)‘ sowie dem Bedürfnis nach ‚finanzieller, räumlicher usw. Sicherheit‘. Diese Bedürfnisse werden vielfach aufgegriffen und in den Artikeln durch Wahl der sprachlichen Ausdrücke und Bilder gespiegelt –, so trifft die Begrüßung der Startseite den Punkt: Hier bist du richtig! Ziel dieses diskursiven Verfahrens scheint dabei zu allererst die Anwerbung von neuen Rekruten zu sein, was für die Bundeswehr seit Aussetzung der Wehrpflicht zu einer existentiellen Aufgabe geworden ist. Negative, ja zerstörerische Aspekte des militärischen Agierens bleiben fast gänzlich ausgeklammert oder werden von einer inszenierten Maschinen-Ästhetik überformt. Die Frage, ob dabei junge Menschen in die Irre ge- oder verführt werden sollen, steht im Raum und bedarf der Diskussion.

(2) Gäbe es eine alternative Darstellung der Bundeswehr, des soldatischen Lebens online gegenüber jungen Bürgerinnen und Bürgern? – Unseres Erachtens sehr wohl. So ließe sich etwa über die verantwortliche Funktion der Bundeswehr im Rahmen internationaler Friedenstruppen berichten, die damit verbundenen Gefahren, Erfolge und Misserfolge. Man könnte in einfacher Sprache problematisieren, welche Schwierigkeiten es im militärischen Zusammenleben gibt, wie und warum sich Menschen in (gar kriegerischen) Truppenverbänden verhalten und verändern, welche physischen, psychischen und sozialen Folgen der Einsatz von Streubomben hat, ob Waffengewalt mit Waffeneinsatz zu kontrollieren ist, welche interkulturellen und friedenspolitischen Kenntnisse SoldatInnen benötigten, um in Krisensituationen Frieden zu fördern usw. Es wären selbst interaktive Animationen und Plattformen denkbar, in denen die Entstehung von kommunikativen Missverständnissen, Vorurteilen oder die Formen und Folgen verbaler Gewalt nachvollzogen werden kann und vieles andere. Dies wäre unseres Erachtens ein Fortschritt. Allein: ob eine solcherart gestaltete Jugendseite tatsächlich der derzeitigen Praxis (!) deutscher Bundeswehreinsätze (oder zumindest jener, über die in den Medien berichtet wird) gerecht würde – oder ob eine solche Website nicht vielmehr nach einer fundamentalen Änderung unseres ‚Militär‘-Verständnisses verlangte, sei dahingestellt.

Über die Autoren

Jun.-Prof. Dr. Friedemann Vogel (29) ist Juniorprofessor für Medienlinguistik an der Universität Freiburg. In Forschung und Lehre interessiert er sich vor allem für sprachliches Handeln und das Ringen um Wissen und Herrschaft konfligierender Akteure in Alltag, Medien und Recht.

Maximilian Haberer (20) ist wissenschaftliche Hilfskraft bei Friedemann Vogel und studiert an der Universität Freiburg Medienkultur- und Musikwissenschaft.

Reaktionen in der Presse (in Auswahl)

  • “Freizeit statt Krieg. Jugendwerbung der Bundeswehr” (Spiegel Online, 08.01.2013)
  • “‘Von Kampf ist nie die Rede’ Auf ihrer Homepage umwirbt die Bundeswehr Jugendliche mit Emotionen und Träumen statt mit Argumenten und dem realistischen Blick auf die Armee, kritisiert Medienforscher Friedemann Vogel” (taz, 10.01.2013)
  • “Experte kritisiert Bundeswehr-Werbung: ‘Gefahr kommt nur abstrakt vor’ (Westdeutsche Zeitung, 18.01.2013)
  • Interview auf WDR Funkhaus Europa (30.01.2013)
  • “Werbebild der Bundeswehr unter Beschuss” (Neue Westfälische, 30.01.2013)
  • “‘Inszenierung der Truppe’. BZ-Interview mit Friedemann Vogel über Bundeswehrwerbung.” (Badische Zeitung, 22.02.2013).
  • “Die Bundeswehr als bewaffneter Sportverein” (Forum, Das Wochenmagazin, 16.03.2013)
  • “Panne bei Rekrutensuche: Bundeswehr schickt Werbebroschüre an Kinder” (Spiegel Online, 24.03.2013)

[1] D.h.: wiederholt auf den gleichen Sachverhalt verweisend.

[2] Ausgeschlossen wurden die unzähligen Einzelseiten zur Illustrierung von Orden und Abzeichen.

[5] http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/2012-05-23-bundeswehr-charta-der-vielfalt.html (17.12.2012).

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6 Responses to .pilotstudie: selbstinszenierung der bundeswehr gegenüber jugendlichen

  1. Michael sagt:

    Ich finde die Betrachtungsweise ja ganz interessant und kann bei dem untersuchten Internetauftritt ebenfalls von einem gewissen Unbehagen sprechen. Trotzdem bin ich bass erstaunt, dass an der Universität Freiburg eine so banale Forschung betrieben wird. Der Hinweis von Prof. Vogel mag richtig und wichtig sein; seine Forschung ist es nicht. Das sind doch alles ganz offensichtliche Fakten, deren Zusammenstellung jeder meiner Schüler in der Sekundarstufe in ähnlicher Weise hätte zusammenschreiben können. Was die Kritik anbelangt, kann man nüchtern feststellen, dass es sich nun einmal um Werbung handelt und dass diese sich eben solcher Mittel bedient. Wäre ein interessantes Thema für die Sendung mit der Maus, aber im Kontext universitärer Forschung wirken diese “Erkenntnisse” doch eher läppisch.

  2. Ich sehe es als Fortschritt und begrüße es sehr, dass Sie sich aus linguistisch-diskurstheoretischer Perspektive des Jugendmarketings der Bundeswehr annehmen. Drei Dinge, die mir daran auffallen:

    1. Sie beantworten nicht hinreichend, wie Ihrer Auffassung nach das Publikum die dargebotenen Erzählungen in seine eigenen aufnimmt, welche Wissensbestände es damit aufbaut und/oder verändert, geschweige denn, wie es handelt bzw. welche Dispositionen sich daraus ergeben. Ihre kritische Bewertung legt jedoch nahe, dass Sie – mal ganz umgangssprachlich – das Publikum für völlig bescheuert halten.

    2. legt Ihre Kritik damit nahe, dass die Bundeswehr mit ihrem Jugendmarketing “alles richtig macht”. Das ist definitiv nicht so, denn – nur als Hinweis – auch die Jugendmarketingseite der Bundeswehr schwebt nicht im luftleeren Raum. Sie ist, im Gegenteil, in einen weiteren Kontext der Selbst- und Fremddarstellung eingebunden. Dass Sie nun bei Ihrer Untersuchung den Textkorpus eingrenzen mussten, ist methodisch verständlich, verkürzt aber dramatisch.

    3. Worauf genau beziehen Sie sich mit Ihren Empfehlungen? Abgesehen davon, dass es wissenschaftlich, vor allem für eine solch kleine Arbeit unangebracht erscheint, “Verbesserungsvorschläge” zu machen, fehlt diese Absicht völlig in den leitenden Fragestellungen. Das, was herauskommt, hat mehr von “Wünsch Dir was” als Wissenschaft, zumal Sie Ihre Ratschläge nicht fundieren. Die relevanten Bezugsdokumente hierfür wären u.a. die verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesrepublik – von der Einsatzrealität ganz zu schweigen. Das, was Sie fordern ist m.E. schlimmer als die wirklich kritikwürdige Kommunikation der Bundeswehr: Sie fordern die Bundeswehr auf, wie ein bewaffnetes technisches Hilfswerk zu kommunizieren. Sie fordern auf zu whitewashing und Lüge, und das ist wissenschaftlich nun gar nicht erlaubt.

  3. Frau S. sagt:

    Sehr geehrte Herren,

    bezüglich Ihrer Studienzusammenfassung und dementsprechend Ihrer Ansicht über das, was die Bundeswehr macht, möchte ich ein paar Dinge richtig stellen. Sicherlich ist die Werbung der Bundeswehr verbesserungswürdig und ausbaufähig – immerhin sah sie sich nie zuvor mit dem Wettstreit mit zivilen Unternehmen um Bewerber konfrontiert.
    Zur Anmerkung: Ich bin Offizier der Bundeswehr und befinde mich in den letzten Zügen meines Masterstudiums “Bildungswissenschaften mit Schwerpunkt Medienbildung” an der Universität der Bundeswehr München.

    Zum Lachen hat mich vor allem der folgende Abschnitt Ihrer Zusammenfassung gebracht, den auch mein Vorredner zitiert hatte:

    “Bei alldem gewinnt man auf treff.bundeswehr.de leicht den Eindruck, die Bundeswehr ‚beschäftige sich fortwährend mit sich selbst‘: das soldatische Leben sei vor allem geprägt von ‚sportlichen Leibesübungen und Körperbeherrschung‘, ‚gemeinschaftlichem Lernen und Leben‘, dem ‚Bedienen und Reparieren von nicht-alltäglichen Maschinen (u.a. auch mit Waffen schießen und Panzer fahren: „Technik vom Feinsten und Hubschrauber fliegen. Herz, was willst du mehr?“)‘ und – zugespitzt formuliert – der ‚Realisierung der individuellen militärischen Laufbahn / Traum-Karriere‘.”

    Da ich nun seit fast 5 Jahren bei der Bundeswehr bin und entsprechend den Dienstalltag kenne, möchte ich Ihre Paraphrasierung einmal auseinander nehmen:

    1. “Sportliche Leibesübungen”
    Der Soldatenberuf verlangt tatsächlich ein gewisses Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit. Jährlich muss jeder Soldat seine „Individuellen Grundfertigkeiten“ nachweisen. Dazu gehören neben der Ersthelfer- und der ABC-Ausbildung vor allem der Basis Fitness Test, Leistungsmärsche, Schießübungen (zum Teil unter Belastung) und das Deutsche Sportabzeichen. Die Anforderungen werden nach dem Alter gestaffelt abgeprüft. Wie jedoch soll ein Soldat diese Leistungen ablegen, wenn er sich nicht regelmäßig fit hält? Dazu sieht die Zentrale Dienstvorschrift mindestens 3 Trainingseinheiten á 90 min. pro Woche im Dienstplan vor. Die abgeprüften Leistungen sind dabei nicht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu sehen, sondern haben vor allem einen versicherungstechnischen Hintergrund. Wie Sie vielleicht wissen, sind Soldaten nicht krankenversichert, wie jeder normale Bürger. Unsere Gesundheitsversorgung erhalten wir über die freie Heilfürsorge in speziellen militärischen Sanitätszentren. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr muss sich jeder Soldat natürlich wieder krankenversichern. Sollte es dann zu einem (Sport-)Unfall bzw. einer Verletzung kommen, kann der Soldat durch die jährlich abgelegten Leistungen nachweisen, dass er sich bemüht hat, seinen Körper gesund und fit zu halten und die Verletzung durch bspw. eine ungewohnte Belastung nicht selbstverschuldet hat.
    Weiterhin möchte ich auch auf die Arbeit der Sportfördergruppe hinweisen: Besonders erfolgreiche oder begabte Sportler werden in die Sportfördergruppe aufgenommen und dort gefördert – wie der Name bereits sagt. Wie von jedem anderen Leistungssportler auch, besteht hier der Dienstalltag der Sportsoldaten fast ausschließlich aus Sport. Ein Großteil der deutschen Spitzensportler sind Sportsoldaten!

    2. „Gemeinschaftliches Lernen und Leben“
    Dass Lehrgänge und Weiterbildungen zum großen Teil verpflichtend sind – wie übrigens auch in anderen Unternehmen – muss ich Ihnen, denke ich, nicht erklären. Der Aus- und Weiterbildungsplan kann, je nach Laufbahn, sehr voll sein. So kann es passieren, dass ein Offizier innerhalb eines Jahres auf 5-6 verschiedenen Lehrgängen war, die allesamt über mehrere Wochen andauerten – ich kann Ihnen bei Bedarf gern persönliche Beispiele dazu benennen.
    Soldaten sind bis zum 25. Lebensjahr dazu verpflichtet, in einer Gemeinschaftsunterkunft zu leben (sprich in einer Kaserne). Davon kann sich jeder Soldat auf Antrag freistellen lassen und eine eigene Wohnung beziehen. Grundsätzlich ist es aber üblich, dass alle Soldaten in einem Gebäude zusammen untergebracht sind, d.h. das gemeinschaftliche Leben gehört absolut zum Alltag eines Soldaten.
    Einen wichtigen Punkt dieser Gemeinschaft lassen Sie m.E. außer Acht bzw. setzen ihn in den falschen Kontext, der aber eine große Rolle spielt: Die Kameradschaft. Ein reibungsloser Dienstablauf kann nur durch die gute Zusammenarbeit der Soldaten untereinander gewährleistet werden – ich muss eigentlich nicht extra betonen, dass dies für absolut jedes Unternehmen/ jeden Betrieb gilt. In zivilen Unternehmen ist der Begriff „Kollege“ gebräuchlich. Da die Bundeswehr, aber eine Armee ist, ist der geläufige Terminus hier: Kamerad. Um die Bindung zwischen den Soldaten zu festigen, die über das berufliche hinausgeht, sondern eher einer Berufung folgt, ist dieser Kameradenbegriff im Soldatengesetz verankert. Dadurch erhält der Zusammenhalt unter den Soldaten einen viel höheren Stellenwert. Immerhin sind es die gleichen Menschen, mit denen ich jeden Tag zusammen meinen Dienst leiste und mit denen ich abends im gleichen Gebäude schlafe. Darüber hinaus dürfen Sie nicht den Einfluss der „Allgemeinen Grundausbildung“ vergessen. Viele Ausbildungsabschnitte sind nur zusammen zu bewältigen, die nächsten Kameraden lernt ein jeder von jeder erdenklichen Seite (auch unter Belastung) kennen, der Zusammenhalt ist hier enorm wichtig. Um diesen noch zu verstärken gibt es außerdienstliche (sprich nach der regulären Arbeitszeit stattfindende) gesellige Abende oder Unternehmungen, wie z.B. eine Bergwanderung (die Sie etwas abfällig in Ihrer Zusammenfassung genannt haben. Auch hierzu kann ich Ihnen persönliche Beispiele nennen.). Diese Unternehmungen finden auf freiwilliger Basis statt und werden meistens von einer ganzen Gruppe oder Teileinheit, wie sie sich jeden Tag und jede Nacht zusammen sehen, gemeinsam organisiert. Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Unternehmungen nicht befohlen oder gar auf Kosten der Steuerzahler abgerechnet werden können! Soldaten nehmen gern an diesen Teil, um eben die beschriebene Kameradschaft zu festigen. Ebenso gibt es aber auch außerhalb der Bundeswehr Betriebsausflüge o.ä.…

    3. „Bedienen von nicht-alltäglichen Waffen“
    Je nach Truppengattung und Verwendung innerhalb dieser haben Sie hiermit den Kern des Dienstbetriebs getroffen. So sieht der normale Dienstalltag aus: Wartung und Bedienung von nicht-alltäglichem Gerät – deshalb verpflichten sich die meisten Bewerber bei der Bundeswehr. Daneben gibt es eine Menge von Papierkram zu erledigen, wie auch in jedem anderen Unternehmen. Ich möchte dazu bemerken, dass ich mir nicht sicher bin, ob z.B. alle Abteilungen von Siemens oder Infineon mit alltäglichen Maschinen arbeiten. So hat jeder Betrieb seinen bestimmten technischen Reiz, bei den Soldaten ist es dabei eher der Einsatz von großem Gerät bzw. Waffen, dafür handelt es sich aber bei der Bundeswehr auch um eine Armee. Tatsächlich arbeitet nicht nur der Pilot oder der Panzerfahrer an seinem Waffensystem, sondern dazu gehört eine ganze Reihe von Soldaten, die für den reibungslosen Einsatz mitverantwortlich sind.

    4. „Realisierung der individuellen militärischen Laufbahn“
    Auch hier kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Letztendlich ist es das, was jeder Soldat anstrebt. Je nachdem, wie gut oder schlecht ein Soldat seinen Dienst ausübt, wird er auf bessere oder schlechtere Posten gesetzt. Jeder ist natürlich bestrebt, den bestmöglichsten und förderlichsten Posten zu bekommen. Es gibt natürlich die Pflichtbeförderungen, die nach einer gewissen Zeit an geleistetem Dienst anstehen, aber auf der anderen Seite stehen die Leistungsbeförderungen, die mit höher dotierten Posten einhergehen. Das ist Prämien oder Boni sowie Beförderungen in zivilen Unternehmen vergleichbar.

    Die Bundeswehr wirbt mit ihren guten Seiten, wie eben auch jedes andere Unternehmen/jeder Betrieb. Oder haben Sie schon mal einen Metzger mit einem Tier, das ausblutet, statt mit appetitlicher Wurst werben sehen? Natürlich werden, um das Interesse zu wecken, imposante Bilder gezeigt. Allerdings wird jeder Bewerber schon bei seinem ersten Gespräch mit dem Wehrdienstberater bzw. neudeutsch Karriereberater über die Risiken und Entbehrungen, die dieser Berufsweg mit sich bringt, aufgeklärt. Ich hatte mit 17 mein erstes Gespräch bei einem Wehrdienstberater und wurde sofort über alles informiert – Einsatzrealität, häufiges Umziehen, Familie nur am Wochenende sehen. Bevor ich meine Verpflichtung unterzeichnet hatte, war ich mir vollkommen im Klaren darüber, worauf ich mich einlassen wollte. Zu Ihrem Einwand, dass die Bundeswehr nicht über die Einsätze aufklärt und auch nicht von Krieg spricht, möchte ich folgendes bemerken: Krieg führt die Bundeswehr, juristisch gesehen, überhaupt keinen und sie kämpft auch in keinem mit den Bündnispartnern. Sie ist Teil von internationalen, bewaffneten Konflikten. Das hat sich nicht die Bundeswehr so zurechtgelegt, sondern ist schlicht eine juristische Formulierung. Und auf diese bewaffneten Konflikte macht die Bundeswehr sehr wohl aufmerksam. Bei einem weiteren Punkt möchte ich meinem Vorredner zustimmen: Nicht jeder Soldat geht in den Einsatz und diese sind auch nicht andauernd. Sowohl mein Mann, seit fast 8 Jahren bei der Bundeswehr, als auch ich waren noch in keinem Einsatz. Mein Ausbilder, der seit über 20 Jahren bei der Bundeswehr ist, war ebenfalls noch in keinem Einsatz. Es kommt auf die jeweilige spezielle Verwendung an, für die sich jeder selbst entscheiden kann. Außerdem geht nicht jeder Soldat, der in einen Einsatz geht, mit auf Patrouille. In Wahrheit bleiben die meisten der Kameraden im Einsatz im Feldlager und sorgen dort für die Unterstützung der Kameraden, die mit den Konvois auf Patrouille fahren.
    Meiner Meinung zeichnen Sie mit Ihrer Studie ein gänzlich falsches Bild der Bundeswehr, was nur daraus resultieren kann, dass Sie nie gedient haben. Oder irre ich da?

    Mich würde interessieren, ob Sie auch anderen Unternehmen Beschönigung in ihrer Werbung vorwerfen würden? Würden Sie auch zu deren Werbeauftritten eine Studie durchführen? Warum kritisieren Sie Werbung, die im Allgemeinen positivierend und euphorisch ist? Da müssten Sie auch jede Werbung für Süßigkeiten auseinander nehmen, da Süßigkeiten Karies verursachen und dick machen können und in Massen konsumiert für einen ungesunden Lebensstil sprechen…

    Mich würde vielmehr interessieren, wie Sie mit Ihrer Expertise die Werbung bzw. die Art der Werbung der Bundeswehr verbessern oder vielleicht konzipieren würden, damit eben die Bewerber angesprochen werden, die den Soldatenberuf als Berufung sehen.

    Mit freundlichen Grüßen

    PS: Seit dem Eintritt in die Bundeswehr beziehe ich monatlich Sold – ich bin wenigstens für die Dauer meines Dienstzeitverhältnisses also wirklich finanziell abgesichert.

  4. Lukas Kloska sagt:

    Sehr geehrter Herr S.

    Zum einen darf sich der Verfasser dieser Arbeit doch eine Meinung zu diesem Thema bilden. Die Arbeit entstand nicht grundsätzlich um die Bundeswehr ohne Grund zu kritisieren.
    Wie Sie im Abschnitt “Einleitung” erkennen können wurden die Seiten der Bundeswehr für die Untersuchung im Dezember 2012 festgehalten, 2 Monate nach der kritischen Berichterstattung dur 2 Leitmedien (Spiegel und Welt), was eine Arbeit darüber durchaus rechtfertigt, da dies ein Thema öffentlichen Interesses zu sein scheint. Den Verfasser für seine gut sichtbar gekennzeichnete Meinung in seinem eigenen Blog in der Kommentarfunktion zu kritisieren ist nicht unbedingt ein geeigneter Ausgangspunkt, um eine persönliche Meinung zu erörtern und in Frage zu stellen. Es wäre wahrscheinlich wünschenswerter gewesen, die Kritik bezöge sich auf den tatsächlichen Inhalt des sachlichen Teils der Arbeit und nicht um eine Grundsatzdiskussion über die Einstellung zur Bundeswehr.

    Warum aber existiert diese Einstellung gegenüber der Bundeswehr vermehrt in der Bevölkerung? (Ja, das ist nur eine Einschätzung meinerseits, aber dennoch will ich diese Behauptung aufstellen, da ich denke, dass sie zutrifft und mir momentan keine Arbeit bei der Suche nach einer bestätigenden Umfrage machen möchte)
    Zum einen dürfte eine Assoziation innerhalb der Bevölkerung beim Begriff Bundeswehr von Armee zu Krieg und somit zu töten und getötet werden verlaufen. Bei Polizei und Feuerwehr geschieht dies nachvollziehbarer Weise nicht. Die moralischen Vorstellungen sagen dem Bürger nunmal, dass man Jugendliche nicht unaufgeklärt und mit Methoden der üblichen Werbeindustrie einer Institution zuführen darf, die eben diese Assoziation hervorruft. Auch ein schärferer Blick auf die Aktivitäten von Bundesregierung und Bundeswehr sollte nach dem zweiten Weltkrieg nicht weiter verwunderlich sein.

    Ich hoffe, Ihre Fragen geklärt zu haben (auch wenn dies nicht durch den Verfasser geschah und ich auch keine Stellvertretung beanspruche) und hoffen, Ihnen beim Verständnis der Funktion von Moral und Medien geholfen haben zu können.

    MfG

  5. Bernd Frost sagt:

    Die Seite treff.bundeswehr.de soll “nur” Sympathie-Werbung für die Bundeswehr betreiben. Das ist schon intern so vorgesehen und ist personell von den Nachwuchswerbeseiten wie bundeswehr-karriere.de getrennt. Es findet auch keine direkte Zusammenarbeit mit Karriereberatern und Jugendoffizieren statt. Also macht treff. keine Nachwuchswerbung, sondern versucht interessierten Jugendliche einen Blick hinter den Kasernenzaun zu ermöglichen. Sollte man wissen!

    Bei den Veranstaltungen und in der internen Coummunity wird sehr viel über die Gefahren des Soldatenberufes gesprochen, viele der Experten haben Einsatzerfahrung und wissen, wovon sie sprechen. Es wird nichts verheimlicht, sondern offen darüber gesprochen. Ich war selbst oft genug dabei und finde diesen Weg genau richtig: den Jugendlichen, die eine Karriere bei den Streitkräften anstreben, VOR(!) ihrer Berufsentscheidung sich einen umfassenden Einblick verschaffen können.

    Ich weiß persönlich von vielen Jugendlichen, dass die Seite und die Events ihnen viele wertvolle Tipps gegeben und sich deshalb für den Dienst in der Bundeswehr entschlossen haben. Und diesen Weg nach vielen Jahren auch nicht bereut haben.

  6. Herr S. sagt:

    Ich habe Ihre Studie in Ausschnitten überflogen und möchte vor allen Dingen auf zwei Aspekte eingehen:

    1. Sie kritisieren die Bundeswehr dafür, dass diese sich vor potentiellen Bewerbern positiv darstellt. Sie stellen in Ihrer Studie insbesonders heraus, dass negative Aspekte des Soldatenberufs bzw. mögliche Folgen der Berufsausübung (Verwundung, Tod, psychische/physische Langzeitschäden) nicht thematisiert werden. Haben Sie sich denn einmal z.B. die Jugendseiten von Feuerwehr oder Polizei angesehen? Auch hier droht im Einsatzfall Verwundung oder Tod, auch hier kann der/die Berufsausübende mit traumatischen Situationen konfrontiert werden. Werden dort potentiell Interessierte darüber aufgeklärt?

    Anders formuliert: Warum sollte die Bundeswehr als staatliche Institution, die seit Aussetzung der Wehrpflicht im Werben um junge Menschen in Konkurrenz zu anderen staatlichen Institutionen und zu Unternehmen in der freien Wirtschaft steht, in einem Werbeauftritt für Jugendliche die negativen Seiten des Soldatenlebens schildern? Das wäre doch als Werbebotschaft höchst kontraproduktiv. So würde aber auch ein Unternehmen nicht werben oder ebenso eine andere staatliche Institution nicht.

    Als Beispiel: Wenn für den Beruf des Lehrers geworben wird, werden auch die positiv besetzten Seiten des Berufes hervorgehoben. Hier steht dann die Arbeit mit Kindern, die Freiheit der Lehre, der Reiz des Pädagogischen im Vordergrund.

    Von Korrekturbelastungen, Lärmbelastungen in den Klassen und drohendem Burnout u.ä.(alles durch Studien hinreichend bewiesen) ist dort auch nicht die Rede. Warum sollte die Bundeswehr anders vorgehen? Sie kritisieren ja diese Vorgehensweise, was ich angesichts der Tatsache, dass andere Institutionen und Firmen eben genau so handeln, aber keiner Kritik ausgesetzt sind, nicht nachvollziehen kann.

    2. Ich zitiere aus Ihrem Posting im Blog:

    “Bei alldem gewinnt man auf treff.bundeswehr.de leicht den Eindruck, die Bundeswehr ‚beschäftige sich fortwährend mit sich selbst‘: das soldatische Leben sei vor allem geprägt von ‚sportlichen Leibesübungen und Körperbeherrschung‘, ‚gemeinschaftlichem Lernen und Leben‘, dem ‚Bedienen und Reparieren von nicht-alltäglichen Maschinen (u.a. auch mit Waffen schießen und Panzer fahren: „Technik vom Feinsten und Hubschrauber fliegen. Herz, was willst du mehr?“)‘ und – zugespitzt formuliert – der ‚Realisierung der individuellen militärischen Laufbahn / Traum-Karriere‘.”

    Hier interessiert mich Ihre Erfahrung in Bezug auf den tatsächlichen Dienst in den Streitkraften. Hat einer von Ihnen (freiwilligen) Wehrdienst geleistet oder war Soldat auf Zeit?

    Wer Grundwehrdienst geleistet hat, SAZ war oder als Reservist wehrübt, wird wissen, dass genau die oben beschriebenen Tätigkeitsfelder einen Großteil der Dienstzeit ausmachen. Sport, Ausbildung an technischem Gerät und die Einsatzvor- und Nachbereitung füllen den wesentlichen Teil des Soldatenalltages.

    Außerdem scheinen Sie davon auszugehen, dass alle Soldaten in den Einsatz gehen. Das ist aber nur für bestimmte Truppenteile der Fall, und nicht jeder Soldat macht die gleichen Erfahrungen im Einsatz. Außerdem gibt es Grenzen für Einsatztage, so dass die meisten Soldaten zwangsläufig mehr vor- und nachbereiten als dass sie tatsächlich in einem Einsatz im Ausland eingesetzt sind.

    Davon ganz abgesehen ist natürlich die Verfolgung der eigenen militärischen Karriere ein Ziel. Wer sich als Offizier 12 Jahre oder länger verpflichtet, steigt ja nicht als Hauptmann oder Major ein, sondern muss sich eben “hochdienen”. Neben den Regelbeförderungen gibt es eben auch Beförderungen, die nur aufgrund erbrachter Leistungen oder bestandener Lehrgänge ausgesprochen werden.

    Wenn eine Universität damit wirbt, dass Studenten an dieser ihre akademische Karriere verfolgen können, wird das dieser ja auch nicht negativ ausgelastet. Keine Universität würde in diesem Kontext schreiben: “Sie können bei uns den Bachelor und Master erwerben. Sie können natürlich auch wie hunderte andere Studierende Ihr Studium abbrechen oder Ihre wertvolle Zeit mit Müßiggang, Alkoholkonsum oder anderen nicht studienrelevanten Dingen vertreiben, während sich Ihre Semesterzahl ins Unendliche erhöht.”

    Sie verlangen aber anscheinend von der Bundeswehr eben, dass diese nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Gefahren des Soldatenberufs in ihrem Werbeauftritt thematisiert. Schlussendlich noch einmal deshalb meine Frage: Warum sprechen Sie hier Kritik an einer Werbemethode aus, für die keine andere Organisation, Institution oder Firma kritisiert werden würde? Jede Arbeitgeber hat in einem Werbeauftritt die Bestrebung, sich selber im positiven Licht zu zeigen.

    Ich freue mich auf Ihre Antwort.

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